Andreas Fuerlinger’s Blog

23. September 2009

Die Christen – eine Anmaßung?

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Seit 23.1.2006 gibt es die Partei „Die Christen“. Bei der Nationalratswahl 2008 erreichten sie bundesweit 0,64% der Stimmen (=31.080 Stimmen), prozentuell die meisten davon in Vorarlberg, gefolgt von Tirol.

Viele, vielleicht die meisten ChristInnen, und dazu zähle ich mich jedenfalls, finden es eine Anmaßung, dass sich eine politisch tätige Gruppierung, die innerkirchlich eine eindeutige Positionierung offen zur Schau stellt (es liegen zB einer persönlich adressierten Wahlwerbung Bestellformulare des „kathShops“ bei, dem web-Shop von kath.net), sich so ohne weiters traut, mit ihrem Parteinamen „Die Christen“ vorzugeben, allgemein Christinnen und Christen politisch zu vertreten.

Einmal abgesehen von wirklich unüberlegten Aussagen (z.B. gloria.tv-Wahlwerbung von Martha Zethofer, Landesobfrau OÖ, auf der Homepage der „Christen“: „Die Mutter erzieht die Kinder für den Staat“; „Zwei Mal im Leben ist der Mensch auf Hilfe angewiesen: Als Kind und als alter Mensch“ – zwei Mal?) vertreten „die Christen“ Positionen, mit denen sich die meisten ChristInnen in Österreich NICHT idendtifizieren. Der Dialog, nicht der „Kampf“ mit nicht-chrsitlichen Religionen und Kulturen (Zitat aus der Homepage: „Wir können uns auch nichts vormachen, was einen notwendigen Kulturkampf betrifft – ob dieser Begriff nun als negativ empfunden wird oder nicht.“ Stand 23.9.2009), soll uns ChristInnen auszeichnen. Die großartigen Verdienste vieler ChristInnen im interreligiösen und interkulturellen Dialog sollen nicht durch eine Partei, die sich anmaßt, „die Christen“ zu vertreten, zerstört werden.

Aus Sicht der Frauen gäbe es natürlich weiters zu bedenken, dass die Forderung der „Christen“ nach einem „Müttergehalt“ wahrscheinlich ganz in der FPÖ-Linie „Frauen zurück an den Herd“ liegt.

Die Bemühungen von Frau Martha Zethofer in der Kulturpolitik („In der Kunst wollen wir darstellen, wie schön Gott die Schöpfung gestaltet hat und wir wollen das ästhetische Empfinden unserer Kinder und Jugendlichen wecken“) scheinen mir dahingehend bedenklich, als die Kunst wohl nicht nur geeignet ist, darzustellen „wie schön Gott die Schöpfung gestaltet hat“, sondern darüber hinaus vieles von dem zum Ausdruck bringen kann, wofür ein zeitgemäßes Christentum steht.

Sollten auch Sie ein Problem damit haben, dass die Partei „Die Christen“ sich anmaßt, Sie zu vertreten, dann haben Sie die Möglichkeit, in einem kurzen Mail an: office@diechristen.at oder in einem persönlichen Telefon-Anruf (+43 (0)2772/53 500) ihren Unmut zu äußern.

6. August 2009

Spanien und Portugal 2009 mit dem Auto – Urlaub zum Nachlesen

In diesem Blog-Beitrag berichte ich vom vergangenen Urlaub 2009, der uns von Linz über Italien nach Spanien und Portugal führte. Wir haben die Reise mit Auto und Zelt unternommen und haben mit einer Ausnahme auf Campingplätzen übernachtet. Hier gibt’s auch nützliche Tips für Leute, die vorhaben, eine ähnliche Tour zu unternehmen (Preise, Hinweise usw.).

Zunächst die Route in Stichworten:

Linz – Florenz – Pisa – Livorno – Fährfahrt nach Barcelona – Torres – Madrid – Segovia – Salamanca – Avila – Aveiro (Portugal) – mit dem zug nach Porto und Coimbra – von Aveiro nach Sao Pedro de Muel – Batalha – Alcobaca – Lissabon (Costa Caprica) – Sintra – Lagos (Algarve) – Sevilla – Cordoba – Granada – Barcelona – Fährfahrt nach Genua – Verona – Brenner – Linz.

Insgesamt legten wir mit allem drum und dran ca. 6000 km zurück, wobei zu erwähnen ist, dass die Hälfte der Kilometer sich auf 4 Tage aufteilte, an denen wir große Strecken zurücklegten.

Nun die Details:

Tag (1) Am 9.7.2009 um 7.30 Uhr brachen wir von Linz auf nach Florenz, wo wir nach einem Stau am Apennin um 19.30 Uhr ankamen (ca. 800 km). Unser Campingplatz kostete zwar 34€ für 2 Personen/Auto/Zelt, aber dafür konnte man vom Busparkplatz oberhalb der Stadt über Stufen bequem in die Stadt (nicht länger als 10 Minuten zu Fuß). Abendstimmung traumhaft.

Tag (2) Nochmals in die Stadt Florenz, bei Tageslicht, Dombesichtigung – lange Schlange – deshalb nur von außen. Fahrt nach Pisa – Besichtigung des schiefen Turmes und der Kathedrale (Turm war uns zu teuer ~ 15 €/Person, Kathedrale 2€). Weiterfahrt nach Livorno, auf dem Weg Badeaufenthalt. Da wir bereits um 19.00 Uhr in Livorno eintrafen, machten wir noch einen Abstecher in die Stadt und fuhren dann um 24.00 Uhr mit der Fähre ab Richtung Barcelona.

Tag (3) Ankunft in Barcelona nach 20-stündiger Fährfahrt um 20.00 Uhr. Wir fuhren etwas Richtung Nord-Westen nach Torres, wo wir in einer Truckerabsteige um 45€ ein Doppelzimmer gebucht hatten.

Tag (4) 8.30 Uhr Weiterfahrt Richtung Segovia (bei Salamanca), ca. 650 km. Durch Madrid fuhren wir nur durch. Am späten Nachmittag erreichten wir den Campingplatz in Segovia. Der durchschnittliche Preis für einen durchschnittlich ausgestatteten Campingplatz in Spanien und Portugal beträgt ca. 20€ (manche nur 15€, manche bis zu 25€). Da in Spanien am Sonntag alles geschlossen hält (Supermärkte), machten wir uns auf in die Stadt und aßen dort zu Abend.

Tag (5) Besichtigung von Segovia: Aquädukt, Kathedrale mit Kreuzgang (€3/Person), Alcazar (€3/Person). Bei vielen Sehenswürdigkeiten in Spanien und Portugal erhält man Ermäßigungen: Studierende, Menschen mit Beeinträchtigungen, PensionistInnen usw… Manchmal ist für diese Gruppen der Eintritt auch gratis.

Tag (6) Fahrt nach Avila. Die Kathedrale ist sehenswert, nur er Kreuzgang war leider verglast. Die Weiterfahrt nach Salamanca hat sich 100% ausgezahlt: Die Stadt präsentierte sich uns in herrlicher Spät-Nachmittagsstimmung – viele Kirchen, Konvente, die Kathedrale, eine päpstliche Universität und vieles mehr. Capming „Regio“ mit gratis Internet im angeschlossenen Hotel.

Tag (7) Unser Ziel war Portugal – an diesem Tag erreichten wir es und sahen endlich den Atlantik. Unser Campingplatz war in Barra bei Aveiro. Abends kochten wir und genossen zu Dumpingpreisen Kaffe+Mehlspeise (Kaffee + 2 Mehlspeisen €3,40… da muss man schon zuschlagen).

Tag (8) Diesen Tag fuhren wir vom Bahnhof in Aveiro (wo es in der Nähe einen großen Gratis-Parkplatz gibt) mit dem zug nach Coimbra in den Süden (Zugfahrt €4,70/Person/Hinfahrt). Eine „steile “ Stadt im wahrsten Wortsinn. Romanische Kathedrale, Pastlerias (Bäckereien mit sauren und süßen Köstlichkeiten). Die Universität und die Bibliothek darin sind auf jeden Fall einen Besuch wert (für Studierende ermäßigt €5, sonst €7 – der geamte Komplex inklusive Kapelle, Gefängnis, Bibliothek und Uni). In der Uni befindet sich eine Mensa, in der man zu Öffnungszeiten günstig speisen kann (zb Tagessuppe €1,50).

Tag (9) Wieder unternahmen wir eine Zugfahrt – diesmal von Aveiro nach Porto. Wo es nicht schön ist in Porto ist es wenigstens interessant. Rathaus, Kathedrale und St. Franziskus-Kirche laden ein. In dieser Kirche befindet sich eine einzigartige Holzschnitzerei: der Baum Jesse (Stammbaum Jesu). Vor allem der Gang über die 2stöckige Brücke (vom Erbauer des Eiffel-Turmes) hat uns beeindruckt – gute Stadtansicht! Auch der Regionalbahnhof mit seinen Fliesenbildern im Inneren ist sehenswert.

Tag (10) Weiterfahrt nach Sao Pedro de Muel. Unterwegs besuchten wir in Tomar das Kloster des Christusordens, das eher wie eine Burg anmutet und sehr gute Einblicke in das Klosterleben des Mittelalters gibt.

Tag (11) Sonntag ist Gratis Tag in den großen Klöstern (von 9-14 Uhr). Deshalb haben wir uns für diesen Tag Batalha und Alcobaca vorgenommen – beides beeindruckende Klosteranlagen.

Tag (12) Faulenzertag am Campingplatz. Lesen, Strand, Abendessen und Spielen, wie fast immer am Abend.

Tag (13) Richtung Lissabon. Campingplatz an der Costa Caprica (die portugiesische staatliche Kette „Orbitur“ garantiert einigen Comfort, hat aber auch Nachteile, zb Zahlung im Voraus). Der Ort (Costa Caparica) ist wirklich nett und sehr touristisch.

Tag (14) Es gibt verschiedene Möglichkeiten, in die Stadt Lissabon zu kommen von der Costa Caparica aus: entweder mit Bus und Metro / Strassenbahn (Carris) oder mit Bus und Fähre direkt ins Zentrum. Der Bus ist ca. 10 Gehminuten vom Campingplatz entfernt, fährt 40 Minuten bis zur Prace Espana, kostet €2,75 pro Person/Strecke. Die Metro kostet pro Strecke ca. €1,10. Die weitaus bequemere Möglichkeit für uns war die Fahrt mit dem Bus nach Cascillas und von dort mit der Fähre direkt ins Zentrum von Lissabon. Die Fähre ist ein Billig-Transportmittel und kostet nur ca. 80 cent pro Fahrt/Person. Man benötigt eine aufladbare Karte (7 collinas) für 50 cent, und kann dann alles mögliche draufladen. Da es diesen Tag nieselte, machten wir bald wieder kehrt und warteten auf den folgenden Tag, um die Besichtigungen zu starten.

Tag (15) Ein mehr als perfekter Tag. Einige Besichtigungen. Auch Fahrt mit der Straßenbahn nach Belem (Turm von Belem). Die Straßenbahn kostet pro Strecke € 1,20/Person – egal wie weit und mit welcher Linie. Tickets gibt es entweder in der Straßenbahn (Kleingeld! – jedoch €1,40), oder an Kiosken, oder eben man kann eine Fahrt auf die 7 collinas-Karte laden (siehe oben – Fähre). Bei Belem gibt es ein wunderschönes Kloster (Jeronimos).

Tag (16) Rundfahrt in der Gegend von Sintra – ca. 35 km, viele Sehenswürdigkeiten auf dem Weg. Die Straße ist teilweise eng und unübersichtlich, aber wildromantisch. Palast von Sintra, Kloster Peninha (Blick über Lissabon), Fim da Europa – der westlichste Punkt Europas. Noch mehrere Sehenswürdigkeiten hätten auf uns gewartet, aber die Zeit war zu kurz.

Tag (17) In Lissabon mit der Strassenbahn Linie 28 („Touristenstrassenbahn“) hinauf zum Castel. Besichtigung eines Klosters mit den Fabeln des Theodor La Fontaine auf Fliesen (blau-weiß). Das Viertel Alfama lädt mit vielen kleinen lieben Gässchen zu einem Abendessen in einem der zahlreichen Lokale ein.

Tag (18) Aufbruch nach Lagos. Auf dem Weg besuchten wir in sengender Mittagshitze Evora (Weltkulturerbe, wie eh fast alles auf dieser Reise), eine Stadt, die auch für die vielen Produkte aus Kork bekannt ist. Weiße Häuser, römischer Tempel, Kathedrale… am Abend trafen wir in Lagos ein, wo wir 10 Gehminuten vom Zentrum einen Campingplatz gefunden haben (€19), der hauptsächlich von Briten besiedelt war.

Tag (19) Hier an der Algarve ist es am Meer einfach wunderschön. Türkises Wasser, Sandstrände, Buchten, Felsen mit Grotten und Höhlen entlang des Ufers – auch Bootstouren werden für ca. 20-30 € angeboten. Der Ort ist sehr touristisch (vor allem deutsche UrlauberInnen), zahlreiche Restaurants, Verkaufsstände und Läden laden ein.

Tag (20) Dieses Mal suchten wir einen anderen Strand, eine Bucht, die eher klein ist, dafür aber malerisch. Das vorletzte Mal Baden am Meer.

Tag (21) Letztes Mal am Vormittag am Meer an der Algarve. Wir verabschiedeten uns von Portugal und fuhren nach Sevilla (Zeitumstellung!). Auf der Fahrt machten wir Stop in dem kleinen Ort Almancil, wo die Kirche San Lorenzo (Fliesen-Kirche!) einen Abstecher wert ist.

Tag (22) Besuch von Sevilla (mit dem Bus – sehr einfach und billig: €1,35/Strecke/Person). Die Kathedrale hätte 8€/Person gekostet (keine Studierenden-Ermäßigung). Deswegen haben wir sie nur von außen besichtigt. Dafür Besichtigung des Alcazar. Im schattigen Garten machten wir eine Picknick Pause.

Tag (23) Diesen Tag ging es auf nach Granada. Doch auf halber Strecke besichtigten wir Cordoba. Die „Mezquita“-Kathedrale führt eindrucksvoll die Verschmelzung von Christentum und Islam vor augen – in eine ehemalige Moschee, deren Vorhof noch immer erhalten ist, ist einfach eine Kathedrale hineingebaut worden – einzigartig! Orangenhof. Am Abend erreichten wir Granada, wo wir unser Zelt wieder aufschlugen.

Tag (24) Besichtigung der Alhambra – diese Anlage ist wirklich einzigartig. Obwohl wir für den Besuch des Nasriden-Palastes 13.00 Uhr ausgewählt hatten (Mittags-Hitze), war es halb so schlimm, weil man viel im Inneren und in schattigen Gärten verbringt. Wer manuelische Baukunst bestaunen will, darf dieen Ort nicht versäumen!

Tag (25) Jetzt gings wirklich Richtung heimwärts: auf nach Barcelona. Unser Ziel war der kleine Ort Peniscola (wunderschön! – einmalige Lage – rundum von Meer umgeben).

Tag (26) schon um 6.45 Uhr läutete der Wecker, wir wollten bald noch in den Ort Peniscola zum fotografieren und fuhren dann nach Barcelona (noch 220 km). Die Fahrt war angenehm, lediglich das Anstellen um die Fährtickets dauerte 1 Stunde!. Um 13.30 Uhr konnten wir dann an Board gehen und fuhren um 15.00 Uhr ab.

Tag (27 – letzer Tag) Eigentlich war nach der Ankunft in Genua um 9.30 Uhr geplant, nach Verona zu fahren (ca. 200 km) und nach einer Stadtbesichtigung und einer Übernachtung am nächsten Tag heimzufahren (nochmals 600 km). Doch wir entschlossen uns, die 850 km von Genua nach Linz auf einmal zurückzulegen und machten nur in Salzburg/Freilassing eine große Pause und fuhren direkt nach Linz, wo wir um 21.30 Uhr ankamen.

5. Juli 2009

Nachtwächter Führung Linz

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Fotos von der Nachtwächterführung, Aussicht von der Stadtpfarrkirche Linz

Nachtwächter Linz

Am 3. Juli, 19.00 Uhr startete eine Nachtwächter Führung durch das Linz des Mittelalters vom Hauptplatz weg. Treffpunkt war 19.00 Uhr, altes Rathaus (Infos).

Ein mit original Kleidung ausgestatteter „Nachtwächter“ (siehe Fotos oben) erzählte in rund 2 Stunde sehr informativ vom Leben im Mittelalter und von den Aufgaben des Linzer Nachtwächters, den es bis 1938 (wenn ich mich richtig erinnere) gab.

Zu den Aufgaben dieser Institution gehörte vieles:

Die Nachtwächter machten in 2 Schichten bei Tag und Nacht ihre Touren in Linz. Die Stadttore mussten verschlossen werden, Ruhestörungen mussten „behoben“ werden, Betrunkene mussten nach Hause gebracht und dem Bürgermeister musste Bericht erstattet werden.

An den verschiedenen Orten der alten Handelsstadt (damals ca. 8000 EinwohnerInnen) sammelte der Nachtwächter seine Informationen ein (Wirtshäuser, Brunnen usw.) und verbreitete diese auch.

Inklusive war eine Turmbesteigung der Linzer Stadtpfarrkirche und die Besichtigung der „Türmerstube“ dort. Der Ausbick von oben ist wirklich beachtlich – das Zentrum von Linz kann gut überblickt werden.

Für EUR 12.- ist als Abschluss noch ein „Mahl“ (Gulasch/Beuschel + Pfiff Bier) im Gasthaus „Goldener Anker“ inklusive.

Der Nachtwächter erzählt auch, wie manche Redensarten entstanden. Ein Beispiel: Jemand, der auf  „Walz“ (Berufswanderschaft) ging, hatte am linken Ohr einen goldenen Ohrring, der als Krankenversicherung oder im Todesfall zur Abdeckung von Begräbniskosten diente. Hatte sich jemand etwas zu Schulden kommen lassen, das einer finanziellen Gutmachung bedurfte, so wurde ihm der Ohrring einfach herausgerissen, weswegen es heute heißt: „Schlitzohr“.

Hier nochmals der Link zu den Fotos (hauptsächlich Ausblick vom Turm der Stadtpfarrkirche):

Fotos von der Nachtwächterführung, Aussicht von der Stadtpfarrkirche Linz

24. Juni 2009

Was ChristInnen von Ö3 lernen können und umgekehrt

Was ChristInnen von Ö3 lernen können und umgekehrt

Als fast fertiger Theologe beinahe täglich mit dem Ö3-Wecker geweckt zu werden, hat mich zu der Idee verführt, die Möglichkeiten einer Weiterentwicklung christlicher Haltungen und der Gestaltung des Radiosenders Ö3 in Augenschein zu nehmen.

Was ChristInnen von Ö3 lernen könnten

Der „Mikro-Mann“ stellt augenscheinlich leichte Fragen und schafft es, jede Menge falscher und unsinniger Antworten zu bekommen. Auf die Frage „Wieviele Buchstaben hat das Wort DREI?“ könnte man versucht sein, DREI zu antworten, obwohl es VIER sind. Ähnliche Quizzes könnten ChristInnen anregen, wieder mehr Fragen über Gott und die Welt zu stellen, nicht um in die Irre zu gehen, sondern um nicht einer Haltung auf den Leim zu gehen, das Verhältnis Gott und Welt wäre ohnehin unumstritten und indiskutabel. Gott selbst als eine offene Frage an uns zu verstehen ist ein Ansatz, der zumindest bedenkenswert ist.

Der Ö3-Slogan „Das Leben ist ein Hit“ könnte ChritInnen anregen, sich der positiven Sichtweise der Ereignisse im eigenen Leben anzuschließen. Nicht, um die Tatsache unschöner oder leidvoller Erfahrungen auszublenden, sondern im Sinne einer dankbaren Haltung für alles, was uns von Gott geschenkt ist.

Die größten Hits aller Zeiten“ könnten daran erinnern, wie bereichernd ein Leben aus dem Glauben ist. Im Sinne einer Vergegenwärtigung der „größten Hits unseres Lebens mit Gott“ und der „größten Hits der Geschichte Gottes mit den Menschen“ könnte es angebracht sein, für einen Augenblick das tatsächliche Übel, das Menschen einander im Namen der Religion angetan haben, zu vergessen und Rückschau zu halten auf das, was Gott in der Welt und in unserem Leben schon an Gutem bewirkt hat.

In zahlreichen Aufzeichnungen und Live-Beiträgen zeigt der Sender Ö3, ganz Nahe am Leben der Menschen „draußen“ zu sein. Auch wenn es manchmal so scheint, als würden die Kommentare der ModeratorInnen geradezu zugeschnitten auf „Büro-Menschen“ sein, könnten ChristInnen und besonders hauptberufliche TheologInenn hier ein Vorbild sehen. Sicherlich ist es umstritten, ob Glaube reine Privatsache oder zumindest teilweise öffentlich ist, aber wen „die Liebe Christi drängt“ (2 Kor 5,14), der kann sich manchmal nicht mehr zurückhalten, das, was ihm/ihr in Gott widerfahren ist, zu teilen mit den Menschen „draußen“.

Ö3 bietet seinen HörerInnen ein 24-Stunden Programm. Tag und Nacht ist es möglich, ö3 zu hören, selbst im Ausland via Internet. Hier könnten sich manche „Sonntags-ChristInnen“ ein Vorbild nehmen. Wer es wagt, ChristIn zu sein, der/die kann nicht ChristIn sein bei der Sonntagsmesse, sondern ChristIn-Sein ist eine Haltung, die alle Bereiche des Lebens umfasst, oder um mit Paul Tillich zu sprechen: „Religion ist das, was uns unbedingt angeht“. Gelebtes ChristIn-Sein ist also ein „24-Stunden-Programm“.

Ö3 ist bemüht, den Humor nicht zu kurz kommen zu lassen. Dass Humor eine wichtige Komponente einer glaubenden Lebenshaltung ist, war und ist nicht immer unumstritten. Nichtsdestotrotz glaube ich an die heilende und befreiende Wirkung von Humor. Gerade manchen „Kampf-ChristInnen“ ist diese m.E. wichtige Komponente gelebten Glaubens und gelebter Menschlichkeit abhanden gekommen. Nehmen wir uns ein Beispiel an Ö3 und lassen wir den Humor nicht zu kurz kommen!

Zu jeder vollen und halben Stunde sendet Ö3 Nachrichten und aktuelle Informationen. Darüber hinaus wird z.B. in dringenden Fällen (Geisterfahrer) das Programm durch den Verkehrsfunk unterbrochen, um allen, die unterwegs sind, die Fahrt zu erleichtern und diese sicherer zu gestalten. Was kann ein/e ChristIn hier lernen? Glaube ohne „Information“, nämlich ohne vernünftige Fundierung gleitet schnell ab in einen Fundamentalismus. Sich theologisch zu bilden hat nicht nur den Vorteil, zu wissen, was man glaubt, sondern birgt darüber hinaus auch die Möglichkeit, als Mensch in seinen Glaubenseinsichten zu reifen. So wie in dringenden Fällen das Programm von Ö3 unterbrochen wird für aktuelle Meldungen, sollte auch die Kirche nicht darauf verzichten, aktuelle Entwicklungen in Glaubensfragen an die Menschen zeitnah weiterzugeben.

Was Ö3 von ChristInnen lernen könnte

Weihnachten ist nicht das „wichtigste Fest der Christenheit“, das „Fest der Liebe“ oder das „Fest derFamilie“, sondern das Fest der Geburt Jesu.

Ostern ist nicht das „Fest des Lichtes“ oder die „Zeit des Osterhasen“, sondern das wichtigste Fest der Christenheit, an dem die Auferstehung Jesu und die Überwindung der Macht des Todes durch das Leben gefeiert wird.

Das Christentum hält sich mit Werbeeinschaltungen eher zurück.

Nicht alle Menschen arbeiten Montag bis Freitag in einem Büro und der Sonntag ist ein Tag der Unterbrechung des Alltags, um Zeit für das Wesentliche im Leben zu haben.

6. Juni 2009

Lange Nacht der Kirchen in Linz – Justizanstalt u.a.

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Am 5.6.2009 war es wieder mal so weit: Die Kirchen der Ökumene in Oberösterreich (Altkatholische Kirche, Baptistengemeinde Linz, Evangelische Kirche AB und HB, Evangelisch-methodistische Kirche, Koptisch-orthodoxe, Römisch-katholische, Rumänisch-orthodoxe und Serbisch-orthodoxe Kirche) veranstalteten zum 4. Mal – gemeinsam mit anderen Orten und Städten in ganz Österreich – in Linz die Lange Nacht der Kirchen.

Mein heuriges Hauptaugenmerk galt der Veranstaltung in der Kapelle der Justizanstalt Linz, Pocherstrasse 9.
Die Teilnahme war nicht ganz einfach, musste man doch zuerst um 18.00 Uhr beim Dom-Center (Neuer Dom) Platzkarten unter Abgabe von Name, Anschrift und Geburtsdatum erstehen, und sich dann ab 19.30 Uhr beim Eingang der Justizanstalt in der Pocherstrasse mit Karte und Lichtbildausweis identifizieren. In 10er Gruppen ging es dann zuerst durch eine Sicherheitsschleuse und dann hinauf in die Kapelle der Justizanstalt.

Dort sprachen

  • Josef Pühringer, Leiter der Justizanstalt Linz
  • Hans-Peter Kirchgatterer, Präsident des Landesgerichtes Linz
  • Walter Eichinger, Richter des Landesgerichtes Linz
  • Thomas Pitters, evangelischer Gefängnisseelsorger in Linz und
  • Markus Vormayr, katholischer Gefängnisseelsorger in Linz.

Josef Pühringer informierte die ca. 100 TeilnehmerInnen, darunter auch Medienvertreter, über den Strafvollzug in Österreich, Oberösterreich und Linz. Er stellte die Aufgaben von Haftanstalten dar und gab auch einen Einblick in die Statistik. Gemerkt habe ich mir, dass die prozentuelle Aufteilung der Insassen sich so beläuft: 3% Jugendliche, 5% Frauen, und 92% erwachsene Männer.
Eine Powerpoint-Slideshow zeigte Bilder von den Zellen, der Arbeit und der Freizeitgestaltung der Insassen.

Hans Peter Kirchgatterer sprach einige Worte über den Zusammenhang von Landesgericht und Justizanstalt und Walter Eichinger legte die Parameter dar, die bei einer Untersuchungshaft berücksichtigt werden müssen.

Im Rahmen der Langen Nacht der Kirchen waren die BesucherInnen natürlich vor allem an der Arbeit der Gefängnisseelsorger interessiert.
Thomas Pitters und Markus Vormayr erzählten über ihre Tätigkeit in der Justizanstalt, über einzelne „Fälle“ (natürlich anonym) und über bewegende Momente, etwa den jährlichen Weihnachtsgottesdienst, der auch Hans-Peter Kirchgatterer oft ans Herz geht.
Herr Pitters betonte, dass niemand in seinen Gottesdiensten so gut verstehe, was es hieße, Gott sei ein „gnädiger Richter“, als die Häftlinge beim wöchentlichen Samstag-Gottesdienst (7.30 Uhr).
Die Häftlinge würden aus verschiedenen Motiven kommen: religiöse Anteilnahme, soziale Kontakte (wobei auch in der Kapelle das Komplizen-Verbot eingehalten wird), Mangel an anderen Programmangeboten am Samstag.

Im Anschluss bot sich für einige Minuiten die Gelegenheit, Fragen an die Vortragenden zu richten.

Den Abschluss bildeten ein von Pitters und Vormayr abwechselnd vorgetragener Psalm und ein Segen, der die BesucherInnen in die „lange Nacht“ entließ.

29. Mai 2009

Gratis telefonieren, 0 Euro Handyrechnung

Gespeichert unter: Allgemein — Schlagworte: , , , , , — fuerlinger @ 10:45

Sreenshot – Übersicht über meine Handyrechnungen seit Oktober 2008 – Link zum Bild auf meiner Homepage

Wie das geht? Ganz einfach: Der österreichische Mobilfunkanbieter Drei hatte von 5. Juli 2007 bis Mitte Oktober 2008 einen Tarif namens „SixBack“. In meiner Version des Tarifes (der ja jetzt leider nicht mehr wählbar ist – ausgelaufen) zahle ich 4 Euro Grundgebühr. Das deshalb, weil der normale Pakettarif 6 Euro wäre – die Vergünstigung von 2 Euro auf 4 Euro monatlich deshlab, wiel ich kein Handy bekam bei Vertragserstellung, sondern nur eine SIM-Karte (was mir den zusätzlichen Vorteil eines Vertrages OHNE Bindung bescherte!). Meine Tarifdetails:

  • 4 Euro Grundgebühr/Paketgebühr monatlich
  • 6 cent in alle Netze
  • 6 cent Gutschrift bei Anrufen aus anderen inländischen Mobilfunknetzen

Diesen Umstand, die 6 cent Gutschrift bei Anrufen aus anderen inländischen Mobilfunknetzen, nutze ich. Weil ich bei weitem mehr angerufen werde, als ich aktiv wegtelefoniere (aktiv: ca. 33 Stunden seit Oktober 2008, passiv: ca. 80 Stunden seit Oktober 2008).

Es ist also so, dass ich seit Oktober 2008 jeweils eine monatliche Rechnung von 0 Euro zu bezahlen hatte – bzw. nicht zu bezahlen hatte. Im Gegenteil: mittlerweile habe ich eine Gutschrift von ca. 65 Euro angehäuft, die ich noch vertelefonieren kann.

Für alle die diesen Artikel jetzt lesen und den Tarif nicht mehr wählen können: es gibt in Österreich ohnehin eine Menge guter Angebote. Ich kenne kaum ein Land in Europa, in dem Mobiltelefonie so günstig ist.

6. Mai 2009

Aktion als Reaktion; Gegen Polizeigewalt

Gespeichert unter: Politik & Gesellschaft — fuerlinger @ 18:50

Die in Linz geplante Demonstration – paradoxerweise für Demontrationsfreiheit – gegen Polizeigewalt ist eine Aktion als Reaktion auf die Polizeiübergriffe auf DemonstrantInnen am 1. Mai 2009 (Datum: 8. Mai, 16.00 Uhr, vom Bernaschek-Platz zum Hauptplatz, Ende 19.00 Uhr).

Es ist wirklich erschütternd, was sich die Polizei mancherorts erlaubt. Wenn gegen „Vermummte“ vorgegangen wurde, dann bleibt zumindest zu fragen, ob eine Kapuzen-Pulli, eine Kappe oder ein Schal schon als Vermummung zählen? Es dürfte wohl so sein, dass die Straßen-MitarbeiterInnen der Polizei eher rechts eingestellt sind und daher gegen „linke“ DemonstrantInnen eher energisch vorgehen, anstatt eine Eskalation zu verhindern.

Dass diese Polizei-Aktion nicht ein Einzelfall ist, dürfte gemeinhin bekannt sein. Immer wieder fallen PolizistInnen im „Straßendienst“ durch ähnliche Aktionen auf. Tote Abschiebungs-Häftlinge zählen ebenso zu Polizeiopfern wie verkannte Drogen-Dealer und linke Demonstranten. Es ist begrüßenswert, dass die zuständigen LeiterInnen bei der Exekutive erkannt haben, dass die Schulung und der Einsatz von nicht aus Österreich stammenden PolizistInnen diese Tendenzen verhindern kann. Wenn innerhalb der Polizei das Miteinander von In- und AusländerInnen gut gelingt, läßt das für die gemeinsamen Aktionen, wo und wie auch immer diese stattfinden, hoffen.

Grundsätzlich ist es bedenkenswert, warum gerade am 1. Mai Krawalle bei Demonstrationen, nicht nur in Österreich, stattgefunden haben. Meine eigene Erklärung: Das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Klima hat sich in Europa erhitzt, speziell jetzt in der Wirschaftskrise und in einer Zeit erhöhter Arbeitslosigkeit ist das Klima angeheizt und der Faschismus ist auf dem Vormarsch. Wenn sich jemand gegen solche Polizeiaktionen durch eigene Aktionen wehrt, dann wird er/sie gleich von rechten Militanten bedroht (eine Freundin hat mir erzählt von einem Mail mit solchem Inhalt).

Die Zeit der Krise sollten wir indessen sinnvoll nutzen: Eine Beruhigung der Situation wäre die Mindestsicherung (Detaildiskussion will ich hier nicht führen). Auch eine Christianisierung der Wirtschaft wäre angebracht, und zwar in die Richtung, dass die Erfolge weniger den vielen zu Gute kommt, dass Unternehmen gesellschaftlich Verantwortung übernehmen und nicht die Krise dazu nutzen, um durch Entrechtung ihrer MitarbeiterInnen Profit zu schlagen (Kurzarbeit, „freiwilligr“ Gehaltsverzicht, usw.). Denn wer sagt, dass, so sich die Wirtschaftslage beruhigt, die alten Rechte wieder ohne den Kampf von ArbeitnehmerInnen und Gewerkschaften geltend werden?

Es ist gut, wenn für das Recht auf Demonstrations- und Meinungsfreiheit auf die Straßen gegangen wird. Es soll sichtbar gemacht werden, dass wir uns keine Denkverbote auferlegen dürfen. Es wird ohnehin schon alles zensuriert und überwacht, aber es darf nicht so weit kommen, dass sich machtgeile politische Sektionen so weit in den Vordergrund drängen, dass auf die Würde des einzelnen Menschen vergessen wird. Wir hatten das schon einmal, vor mehr als 70 Jahren begann der Wahnsinn schlechthin. Menschen wurden wie Tiere behandelt und die Welt hat zugesehen. Das darf nicht mehr passieren und deshalb müssen klare Zeichen gesetzt werden, um nicht ein Klima der Gewalt und Hetze zu fördern. Unser gesellschaftliches Klima muss uns etwas wert sein.

5. April 2009

Zauberwort Stagnation

Gespeichert unter: Politik & Gesellschaft — fuerlinger @ 21:27

Stagnation ist der Stillstand von Entwicklung. Das klingt für einen modernen Menschen nicht besonders positiv, eher negativ. Entwicklung ist gut, sie hat uns vieles gebracht, auf das wir heute lieber nicht mehr verzichten wollen. Aber braucht die Wirtschaft wirklich ständige Entwicklung? In dem einen Sinne sicher, dass sie sich qualitativ und effektiv verbessert. Aber müssen Gewinne von Firmen und Konzernen jedes Jahr wachsen? Wohin soll so eine Entwicklung führen?

Ich bin der Meinung, dass, wenn eine Firma – und ich habe hier immer Klein und Mittelbetriebe vor Augen, die den Großteil an Unternehmen ausmachen – in einem Jahr einen Gewinn macht, mit dem sie sich, falls nötig, vergrößern kann, falls nicht nötig, für konjunkturell schwächere Zeiten absichern kann (Rücklagen), im nächsten Jahr nicht mehr Gewinn machen muss – wozu auch? Wenn in einem Unternehmen alles gut läuft, die Mitarbeiter gut versorgt sind (angemessener Lohn, Sozialleistungen, etc.) und auch der Eigentümer Gewinne erzielt, warum soll dann die stetige Strategie „Wachstum“ sein? Wenn ein Produkt nicht nachgefragt wird, muss ich dann mit allen Mitteln versuchen, es trotzdem zu verkaufen („Werbung“)? Wenn ein Produkt (und darunter verstehe ich durchaus auch Dienstleistungen) mehr nachgefragt wird, erscheint es mir logisch, dass sich Unternehmen, die dieses Produkt anbieten, vergrößern (in allen Ressourcen). Bleibt aber die Nachfrage gleich, warum muss ich dann trotzdem auf Wachstum hinarbeiten?

Ist nicht bei gleich bleibender Nachfrage Stagnation ein wunderbares Ergebnis wirtschaftlichen Handelns? Es geht dabei allen gut: Dem Unternehmer/der Unternehmerin, den MitarbeiterInnen, den Menschen, die die Produkte in Anspruch nehmen. Wenn die stetige Maxime „Wachstum“ heißt – wo soll das enden? Wohin soll die Wirtschaft ständig wachsen? In der heutigen Situation, wo sich die Geldwirtschaft verselbständigt hat (Börsen) und vom Waren- und Dienstleistungsverkehr weitgehend abgekoppelt ist, machen viele Gewinne auf Kosten anderer. Denn Geld wird ja nicht einfach „gewonnen“ oder in das Börsesystem „eingeschleust“. Geld ist der Gegenwert für etwas, das geleistet wurde. Wenn jemand ohne nennbare Gegenleistung viel Geld „spekulativ erwirtschaftet“, dann heißt das konsequent weitergedacht, dass jemand anderer es verloren haben muss bzw. unter den Folgen dieses Gewinnes „leidet“. Mir ist schon klar, dass Geld „arbeitet“, also sich vermehrt, wenn es so investiert wird, dass damit ein Mehrwert erzielt wird. Aber vielfach ist es so, dass das, was der eine gewinnt, der andere verliert.

Um aber nochmals zum Thema Stagnation/Wachstum zurückzukommen: Ist es nicht gut, wenn etwas, das gut läuft, beibehalten wird? Ich möchte nicht als Feind von Entwicklung dastehen, aber kann es nicht sein, dass viele verblendet sind vom „Wachstum“ (der Wirtschaft)? Was ist so schlimm, wenn Unternehmen, die heute einen guten Gewinn machen, morgen auch einen guten Gewinn machen, und zwar denselben guten Gewinn wie im Jahr zuvor auch? Man kann das natürlich als Stagnation bezeichnen. Man kann es aber auch gleich bleibende Rentabilität nennen.

Wohin soll die Wirtschaft wachsen, wenn sie immer wachsen muss? Wenn ein Unternehmen nur gut ist, wenn es jedes Jahr mehr erwirtschaftet als das Jahr zuvor, wo soll diese Entwicklung enden? Ein sichtbares „Ende“ solcher Entwicklung sind bereits die ganzen multinationalen, global agierenden Konzerne. „Immer mehr“ heißt nämlich „immer größer“. Und dass das Bestehen von wenigen, global agierenden, den Markt dominierenden Konzernen nicht nur Gutes bringt, haben wir schon oft genug erfahren. Wenn etwa Standorte, die gut laufen, aufgelöst werden, weil die Mitarbeiter anderswo billiger und rechtlich nicht abgesichert arbeiten. Oder wenn ein Konzern einen großzügigen Steuererlass von der Regierung bekommt, damit er nicht in ein anderes Land absiedelt. Viele solcher Folgen könnten hier noch genannt werden. Ich möchte noch kurz die Frage „Wem nützt das stetige Wachstum (am meisten)?“ aufgreifen.

Es scheint mir offensichtlich zu sein, dass stetiges Wachstum vor allem jenen nützt, die ohnehin schon viel haben. Es scheint mir weiters offensichtlich, dass stetiges Wachstum die Schere zwischen Arm und Reich weiter aufklaffen lässt. Und ist es nicht auch so, dass der Großteil der Mitarbeiter von großen Konzernen viel weniger mitbestimmen kann, wohin die Richtung des Unternehmens geht als dies bei kleinen Firmen der Fall ist?

Die Frage, die für mich bleibt, lautet: Hat nicht Stagnation auch gute, positive Seiten? Sind nicht gleich bleibende Gewinne ein Gewinn für alle Beteiligten?

4. April 2009

Hochzeit Michael und Birgit

Gespeichert unter: Allgemein — Schlagworte: , , , , — fuerlinger @ 01:05

Am 25. April heiraten Birgit Tüchler und mein Bruder Michael. Die Hochzeit wird im Stift St. Florian gefeiert – ich kenne das Stift, noch nicht aber die Marienkapelle, die „Schauplatz“ werden soll. Gefeiert wird anschließend noch im Gasthaus „Zur Kanne“. Wird wohl eine wunderschöne Feier. Soweit ist jetzt alles organisiert, die Liederhefte gehen bald in Druck, die Messe ist geplant, das Essen bestellt, die Blumen auch. Das Wetter ist bei einer Hochzeit finde ich nebensächlich (bei uns hat’s ziemlich geregnet).

3. April 2009

Anderssein / RFJ

Gespeichert unter: Politik & Gesellschaft — Schlagworte: , , , — fuerlinger @ 19:57

Hab auf http://www.kurier.at/nachrichten/308175.php (Kurier, 3.4.2009) über eine „Aktion“ des Ringes Freiheitlicher Jugendlicher (RFJ) gelesen. Ein Aufkleber, der eine Zigarettenpackung zeigt (Marke: „Gemischte Sorte“), auf der der Warnhinweis angebracht ist: „Zuwanderung kann tödlich sein“.

Im Bezug auf das Zusammenleben von Kulturen in einer Gemeinschaft möchte ich folgendes Zitat bringen (Hans-Joachim Werner, „Martin Buber“, Campus Verlag 1994, S. 53):

„Daß die Person ihren Wahrheitsanspruch erhebt, und zwar absolut erhebt, bedeutet somit keineswegs, daß sie der anderen Person das gleiche Recht streitig machen muß, im Gegenteil: da sie selbst als Person entscheidet, ist es nur konsequent, auch anderen Personen diese personale Entscheidung zuzubilligen. Es ergibt sich so die komplexe, aber im Lebensalltag immer wiederkehrende Forderung, in der Auseinandersetzung mit anderen einen Standpunkt für richtig zu halten und zu vertreten, auch zu versuchen, andere vom eigenen Standpunkt zu überzeugen, und ihnen gleichwohl das personale Recht auf eigene Entscheidung zu lassen. Wer das Anderssein im Bereich der Religionen, der Weltanschauungen und auch der Kulturen will, der will genau dies, und wer es nicht will, der wird nicht erst im Zusammenprall von Weltanschauungen und Kulturen, sondern schon im Bereich der kleineren Gemeinschaften seine Schwierigkeiten damit haben.“

Liebe Mitglieder und SympathisantInnen des RFJ: wer „Zuwanderung“ als „möglicherweise tödlich“ qualifiziert, macht sich nicht nur einer Drohung schuldig oder einer Verleumdung – je nach dem -, sondern hat wohl ein Problem mit dem Anderssein an sich. Ich würde so weit gehen zu behaupten, dass solche Menschen ein Problem mit sich selbst, ihrem So-Sein und ihrer Identität haben. Das hat überhaupt nichts mit „freiheitlich“ zu tun im besten Wortsinne. Im Gegenteil, das ist bedenklich, weil Freiheit auch die Freiheit des/der anderen meint!

Liebe Nicht-Mitgleider und Nicht-SympathisantInnen des RFJ: Wir fühlen uns wohl in dem Gedanken der dialogischen Beziehung, wie er bei Martin Buber vorkommt, aufgehoben: und zwar im Ernstnehmen des anderen, im Sich-hineinversetzen in den anderen. Wieviele Menschen sehnen sich danach, Ernst genommen zu werden!

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